Ganztag

Baustein für ganzheitliches Lernen und mehr Bildungsgerechtigkeit
Anrisstext
„Dem Lernen Flügel verleihen“ zu diesem Motto des Deutschen Schulpreises können Ganztagsschulen einen maßgeblichen Beitrag leisten. Und es ist sicher kein Zufall, dass die meisten, wenn nicht sogar alle Schulen, die für den Deutschen Schulpreis nominiert und mit ihm ausgezeichnet wurden, gute Ganztagskonzepte als Baustein ihres Schulprogramms entwickelt haben. Schule wird hier nicht nur als Lern-, sondern auch als sozialer Lebensraum verstanden und gestaltet.
Absätze
Elternmitarbeit im Ganztag Pizzabacken oder Batiken, Inline-Hockey oder Pantomime – an der Robert-Bosch-Gesamtschule bietet das Konzept der Gruppenstunden eine abwechslungsreiche Ergänzung zum Unterricht. Mehr zum Konzept hier.

Anschluss an internationale Entwicklung

Deutschland ist – verstärkt durch die Ergebnisse der ersten PISA-Studie – auf dem Weg von der klassischen Halbtagsschule zur Schule mit Ganztagskonzepten und Ganztagsangeboten, während andernorts in Europa und der Welt Ganztagsschulen schon lange die Regel sind. Hintergrund dieser Entwicklung sind zum einen bildungspolitische Ziele wie die bessere Förderung und Unterstützung von Schülerinnen und Schüler mit schlechteren Startchancen und der Anspruch, allen Kindern und Jugendlichen Erfahrungen und Zugang zu musischen, kulturellen und sportlichen Aktivitäten als Element der Persönlichkeitsbildung zu eröffnen. Zum anderen verfolgt der Ausbau des Ganztags auch das gesellschaftspolitische Ziel der besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf angesichts steigender Frauenerwerbstätigkeit.

Potenziale nutzen und entwickeln

Ganztagsangebote und -konzepte haben in ganz Deutschland alle Schulformen erreicht, aber in ganz unterschiedlicher Ausprägung, Dynamik und Intensität. Für Gesamtschulen ist der Ganztag in der Regel konstitutiv.

Kernziel von Ganztagsangeboten ist, die Potenziale aller Kinder und Jugendlichen durch ganzheitliche Lernprozesse besser zu entwickeln, sie zu fördern, aber auch herauszufordern und an Neues heranzuführen. Neben der Frage der organisatorischen Struktur – additive, offenere Formen über strukturierte bis hin zu gebundenen Ganztagskonzepten – kommen weitere Aspekte der Ausgestaltung hinzu:

Durch die Nutzung erweiterter Zeit- und Raumpotenziale können innovative Lernarrangements wie fächerübergreifendes Lernen, Projektunterricht oder klassen- und jahrgangsübergreifendes Lernen geschaffen werden. Dies fördert die Selbstverantwortung und Selbstständigkeit und erhöht die Lernfreude.

Ganztagsschulen öffnen sich für ihr Umfeld, das heißt sie holen die Welt in die Schule hinein, und die Schülerinnen und Schüler gehen sehr bewusst in die Umgebung hinaus: in die Musikschule, das Museum, das Rathaus, den Zoo oder den Wald.

„Es braucht ein Dorf, um ein Kind zu erziehen.“ Dieses Sprichwort macht deutlich, wieso in der Ganztagsschule neben Lehrerinnen und Lehrern auch Erzieherinnen und Erzieher, Psychologinnen und Psychologen sowie Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter Teil des pädagogischen Teams sind. Stichwort: wachsende Multiprofessionalität. Hinzu kommen Künstlerinnen und Künstler, die Unternehmerin oder der Landwirt. Klar ist, dass es sich für Schulen mit diesem Verständnis auszahlt, wenn sie mit ihrer Kommune und deren Zivilgesellschaft gut vernetzt sind. Vielfalt ist Trumpf.

Ganztagsentwicklung schärfen

Gemäß dem Ansatz „Aus der Praxis für die Praxis“ wird die Deutsche Schulakademie die Expertise nachweislich guter Ganztagsschulen nutzen, um Gelingensbedingungen und Module erfolgreicher Praxis zu beschreiben. Sie können und sollen dann für andere Schulen nutzbar gemacht werden.

Dabei sollen u.a. folgende Fragen in den Fokus rücken:

  • Wie gelingt der Umbau von der Halbtags- zur Ganztagsschule im Zusammenspiel von Schule, Schulträger und Umfeld? Wie können Kollegium, Schüler- und Elternschaft überzeugt, aktiv einbezogen und begleitet werden?
  • Was genau sind die Bausteine in Ganztagsschulen, die dazu beitragen, die weiterhin bestehende soziale Benachteiligung im Bildungssystem abzubauen? 

Wie gelingt die bessere Verzahnung von Vormittags- und Nachmittagsangeboten auch in offeneren Ganztagskonzepten

Kompakt

Gute Ganztagsschulen verstehen sich nicht nur als Lern-, sondern auch als sozialer Lebensraum. Kernziel von Ganztagsangeboten ist es, die Potenziale aller Kinder und Jugendlichen durch ganzheitliche Lernprozesse besser zu entwickeln, sie zu fördern, aber auch herauszufordern und an Neues heranzuführen. Gute Ganztagsschulen nutzen die Potentiale von Zeit und Raum für innovative Lernarrangements. Sie arbeiten mit multiprofessionellen Teams und öffnen sich für ihr Umfeld. Wir nutzen die Expertise guter Ganztagsschulen, um Gelingensbedingungen und Module erfolgreicher Praxis zu beschreiben und sie anderen Schulen zur Verfügung zu stellen.