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Individualisierung braucht Demokratie

Lernforum und Fachtagung zur Schulentwicklung: 8. September 2017, 11:00-16:30 Uhr in Merchweiler

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Individualisierung ist eine Innovationsaufgabe, die über neue Formen des Lehrens und Lernens im Unterricht hinausweist und eine grundsätzliche Erneuerung des pädagogischen Gesamtkonzeptes von Schule erforderlich macht. Damit sind komplexe und langwierige Prozesse von Schulentwicklung angesprochen, die nicht zentral und output-kontrolliert von staatlicher Seite mit einer schnellen Ergebnis- Erwartung verordnet und gestaltet werden können. Auf die Herausforderung der Individualisierung in der Schule kann es institutionell gesehen nur plurale, dabei aber keinesfalls beliebige Antworten geben. Diese Antworten müssen im professionellen Handeln der Kolleginnen und Kollegen in der Schule ihren Ausgangspunkt finden und sind von den Rahmenbedingungen auf der Systemebene, der regionalen Kontexte und der Situation vor Ort abhängig. Sie werden idealerweise durch schulexterne Partner unterstützt und durch Netzwerke in fachlich einschlägiger Umgebung stabilisiert und optimiert.

In diesem Lernforum sollen Entwicklungsmuster einer neuen binnendifferenzierten Lernkultur im Mittelpunkt stehen, die sich in der Ausgestaltung von Curricula, didaktischen Formaten, einem Verantwortungslernen in Gemeinschaft und in der Ermöglichung erfolgreicher Lernbiographien – auch unter der Erwartung einer institutionenübergreifenden Kooperationsaufgabe – zeigen und bewähren. Dabei soll der Blick bewusst geweitet werden auf die Reformfähigkeit und Entwicklungskraft der Einzelschule insgesamt ebenso wie auf die Lehrerinnen und Lehrer als professionelle Akteure des Unterrichts. Von zentraler Bedeutung ist es, dass Kinder und Jugendliche an Lernen und Leistung beteiligt werden und eine gute Schule mitentwickeln können.

Darüber hinaus gibt es individuelle Beratungsangebote zu den Inhalten der Impulsthemen in Blick auf die Schulentwicklung der Einzelschule sowie für interessierte Bewerberschulen zum Deutschen Schulpreis 2018 und dem Förderprogramm Demokratisch Handeln.

Impulsangebote aus der Praxis für die Praxis

  • Impuls 1 – Die Deutsche Schulakademie
    Lernbegleitung und Leistungsbeurteilung in Lernzeiten an der Freiherr-vom-Stein-Schule, Neumünster
    Preisträger 2016
    Impulsgeberinnen: Maike Schubert, Rike Dirksen

In einer neuen Lernkultur sollen alle Lernenden optimale Lernchancen erhalten, ihre Potentiale sollen entfaltet und ein Kompetenzerleben soll für alle ermöglicht werden. Dies wird immer dann erfolgreich sein, wenn es in einer lernförderlichen Leistungskultur geschieht. In dieser Kultur wird eine formative Leistungsbeurteilung zur Lernbegleitung, bei der die Lernenden z.B. über Selbsteinschätzungs- und Reflexionsinstrumente beteiligt werden, ihre individuellen Leistungen Würdigung erfahren sowie Lehrende und Lernende in einen Dialog über das Lernen eintreten.

Die Freiherr-vom-Stein-Schule Neumünster stellt die in ihrem Lernsystem erarbeiteten Abläufe und Instrumente vor. Sie sollen in diesem Workshop die Grundlage für einen Austausch, Diskussionen und Reflexionen sein.

Im ersten Teil des Workshops wird die Lernbegleitung und Leistungsbeurteilung der Freiherr-vom-Stein-Schule in einem Vortrag dargestellt. Im anschließenden Gruppenpuzzle erhalten die Teilnehmer*innen die Möglichkeit für Austausch und Verarbeitung des Gehörten. Dabei reflektieren sie die eigene Praxis und erarbeiten erste Ideen für mögliche nächste Schritte der Entwicklung im Bereich der Leistungsbeurteilung in ihrem Unterricht bzw. an ihren Schulen.

  • Impuls 2 – Die Deutsche Schulakademie
    Individualisierung an der Grundschule Kleine Kielstraße, Dortmund
    Hauptpreisträger 2006
    Impulsgeberin: Kathrin Brand

Die individuelle Förderung der Kinder, die auf der Feststellung und der folgenden Fortschreibung des jeweiligen Entwicklungsstandes fußt, ist zentrales Anliegen unseres Unterrichts. Individuelle Förderung wird organisiert über Arbeitspläne, die Lernaufgaben entsprechend dem Lernstand des jeweiligen Kindes enthalten und mit schaffbaren Anforderungen das Selbstvertrauen stärken und Lernmotivation aufbauen. Individuelle Förderung findet aber auch statt durch die intensive Arbeit in kleinen Teilgruppen, die sowohl homogen (Kinder, die z.B. eine neue Einführung benötigen) als auch heterogen (unter Hinzunahme von Experten) zusammengesetzt werden.

  • Impuls 3 – Demokratisch Handeln
    Netzwerkbildung zwischen Bildungspartnern: DH, dDSA, ViDem, SoR/SmC etc.
    Impulsgeber: Wolfgang Beutel et al.

Netzwerke und Schulverbünde sind klassische Instrumente einer expertisengestützten Entfaltung von Themenschwerpunkten, die Qualitätsstandards zur Anwendung bringen und individuelle Ausprägungen nicht nur erlauben, sondern geradezu herausfordern. Insbesondre im Feld der demokratischen Schulentwicklung haben diese standardgebenden und individualitätsstarken Netzwerke eine besondere Rolle eingenommen, da sie zugleich für die profilbildende und damit substanzielle Verwirklichung einer pädagogischen Querschnittsaufgabe stehen, die im herkömmlichen Modell der Unterrichtsschule nicht ohne weiteres Resonanz findet. Einige Netzwerke – Förderprogramm Demokratisch Handeln, Dt. Schulpreis/Dt. Schulakademie, Schule, SoR/SmC, lokale Netzwerke etc. – und ihre Förderwirkungen werden vorgestellt, Probleme und Entwicklungsaufgaben können diskutiert werden.

  • Impuls 4 – Demokratisch Handeln
    Inklusive Projekte im Umgang mit Menschen mit Behinderung – Ein Projekt der Gemeinschaftsschule Nohfelden-Türkismühle
    Impulsgeberin: Annette Fischer

Seit September 2010 gibt es an der Gemeinschaftsschule Türkismühle einen Schülerinklusionsbeirat und im AG- Bereich ein Angebot zum Thema "Inklusion von Menschen mit Behinderungen". Die AG "Begegnungen" richtet sich an Schülerinnen und Schüler aller Klassenstufen, die am gleichberechtigten Zusammenleben von Menschen mit und ohne Handicap mitarbeiten und sich für Barrierefreiheit im Sinne der UN-Konvention einsetzen. In verschiedenen Aktivitäten werden alle AG-Mitglieder mit dem Thema "Inklusion" vertraut.

  • Impuls 5 – ViDem

    Vielfalt und Demokratie
    
Impulsgeber_In: Kristina Banz, Mario Förster 

Deutschland ist eine komplexe und heterogene Gesellschaft, die eine Vielzahl an Weltanschauungen und Erfahrungswelten, Sprachen und Identitäten, Milieus und soziokulturellen Hintergründen mit sich bringt und einen stetigen intensiven Transformationsprozess durchläuft: Die soziale Wirklichkeit von Migration und Flucht stellt weiterhin eine der größten Herausforderungen für Lehrerinnen und Lehrer sowie pädagogische Fachkräfte dar. Es besteht die Gefahr, dass Geflüchtete trotz aller anzuerkennenden Bemühungen abgesondert werden. Sowohl schulische als auch außerschulische Bildungseinrichtungen sind auch zukünftig gefordert, Wege zu finden, dauerhaft ein inklusives und bestärkendes Lern- und Lebensumfeld zu etablieren, multiperspektivische Zugänge zu Bildung und sozialem Miteinander zu schaffen und Inklusionsprozesse zu begleiten. In diesem Impuls soll ein Blick auf die Lehrkräfteausbildung und Schulsysteme verschiedener Länder die Demokratiepädagogik in Deutschland thematisieren. Dabei sollen die gemeinsamen Perspektiven im Mittelpunkt stehen. 

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