Schulen in kritischer Lage noch besser unterstützen

Anrisstext
Das Thüringer Institut für Lehrerfortbildung, Lehrplanentwicklung und Medien (ThILLM) legt in Kooperation mit der Robert Bosch Stiftung und der Deutschen Schulakademie ein neues Qualifizierungsprogramm für Thüringer Lehrkräfte auf.
Absätze
Lehrkräfte im Gespräch

Das Programm startet 2021 und bildet bis zu 16 Lehrkräfte über zwei Jahre zu Schulentwicklungsberaterinnen und -beratern für Schulen in kritischer Lage aus, die anschließend thüringenweit zur Verfügung stehen. Eine entsprechende Vereinbarung wird von den Partnern geschlossen, nunmehr läuft das Interessenbekundungsverfahren zur Teilnahme an dieser Qualifizierung an den Thüringer Schulen. Lehrkräfte im Thüringer Schuldienst können sich bis zum 29. Januar 2021 auf dem Dienstweg bewerben. Die Ausschreibung ist auch auf den Internetseiten des ThILLM im Thüringer Schulportal abrufbar.

„Wir freuen uns darauf, die vertrauensvolle Zusammenarbeit mit dem ThILLM auszubauen und mit diesem Qualifizierungsprogramm einen Beitrag zur Stärkung des Beratungsangebots für besonders belastete Schulen in Thüringen zu leisten“, betont der Geschäftsführer der Deutschen Schulakademie, Dr. Roman Rösch. Den Partnern ist vor allem daran gelegen, dass ihr Engagement zum Aufbau nachhaltiger und selbstwirksamer Kooperations- und Vernetzungsbildung im Schulumfeld und mit lokalen sowie regionalen Unterstützungsstrukturen führt.

„Wir wollen die Schulen in Thüringen mit professionellen Beratungsangeboten noch besser unterstützen, die hohe Schulabbrecherquoten haben, mit schwierigen sozialräumlichen Bedingungen konfrontiert sind oder regelmäßig bei der Bewältigung des Schulalltags an Belastungsgrenzen stoßen“, umreißt Dr. Andreas Jantowski, Direktor des ThILLM, das Anliegen dieses Vorhabens. 

Dazu haben die Partner ein Konzept ausgearbeitet, das aus insgesamt acht Modulen besteht, die von den teilnehmenden Lehrkräften berufsbegleitend in den zwei Jahren absolviert werden. Es ist beabsichtigt, dafür aus dem Thüringer Unterstützungssystem insgesamt 60 Arbeitszeitstunden je Teilnehmenden und Schulhalbjahr zur Entlastung der wöchentlichen Arbeitszeit bereitzustellen.

Programm baut auf erfolgreichem Berliner Pilotprojekt auf

Das Professionalisierungsangebot baut auf den Erfahrungen der Robert Bosch Stiftung GmbH im Projekt „School Turnaround“ auf.  Über vier Jahre hat die Stiftung gemeinsam mit der Berliner Senatsverwaltung Brennpunktschulen unterstützt, die vor besonderen Herausforderungen standen. Die Bilanz zum Projektende 2017 fiel bei allen Beteiligten positiv aus. „Durch das Unterstützungsangebot haben die Schulen die Grundlage für eine nachhaltige Schulentwicklungsarbeit geschaffen und sich in relevanten Bereichen verbessert, beispielsweise in der Senkung des Unterrichtsausfalls und der unentschuldigten Fehltage der Schülerinnen und Schüler“, sagt Dr. Dagmar Wolf, Leiterin des Bereichs Bildung der Robert Bosch Stiftung. „Der Einsatz einer speziell qualifizierten Schulentwicklungsberatung hat sich dabei als eine der wirksamsten Interventionen herausgestellt“, so Wolf. Gemeinsam mit der Deutschen Schulakademie habe man die Erfahrungen aus dem Projekt ausgewertet und in den vergangenen zwei Jahren ein Professionalisierungsprogramm für Schulentwicklungsberaterinnen und -beratung erarbeitet. Wichtig sei die passgenaue Ausrichtung auf die lokalen Gegebenheiten in den Bundesländern, wie dies jetzt gemeinsam mit dem ThILLM für Thüringen erfolgt sei.

Schwerpunkte der Qualifizierung, für deren Durchführung und Evaluation die Partner knapp 100.000 Euro zur Verfügung stellen, sind: Schaffung vertrauensvoller schulischer Beziehungen, die Analyse von Schulkultur und Kommunikationsmustern, Methoden und Werkzeuge zur Begleitung von Veränderungsprozessen, Kooperation und Teamentwicklung und der Umgang mit Widerständen.