Das Gymnasium Norf gehört zu den Top-Schulen, es war für den Deutschen Schulpreis 2016 nominiert. Ein Interview mit Schulleiter Stefan Kremer über seine Erfahrungen beim Nominiertentreffen in der Deutschen Schulakademie von Tagungsleiter Benedict Kurz.

Nominierte Deutscher Schulpreis 2016: Gymnasiums Norf
Bildnachweis: Max Lautenschläger

Vom 3. bis 5. Oktober 2016 fand in der Deutschen Schulakademie das Treffen der nominierten Schulen statt. Einer der Teilnehmenden war Stefan Kremer, Schulleiter des Gymnasiums Norf in Neuss in Nordrhein-Westfalen. Tagungsleiter Benedict Kurz sprach mit ihm über die Bewerbung zum Deutschen Schulpreis, den Besuch der Jury der Schulpreis-Jury und die Vorhaben an seiner Schule.

Was waren Ihre Gründe sich für den Deutschen Schulpreis zu bewerben?
Ich bin seit Februar 2015 Schulleiter des Gymnasiums Norf. Als erstes hatte ich mir vorgenommen, eine Status Quo-Analyse zu machen. Um Betriebsblindheit zu vermeiden, haben wir in der erweiterten Schulleitung die Idee entwickelt, uns gezielt externes Feedback zu suchen, auch über die Teilnahme an Wettbewerben. Die erfolgreiche Teilnahme an den landesweiten Wettbewerben wie „Schulentwicklungspreis Gute gesunde Schule“ und „MINT-freundliche Schule“ hat uns Mut gemacht, uns beim Deutschen Schulpreis zu bewerben, der als einziger Preis national vergeben wird. 

Wie haben Sie die Zeit während des Wettbewerbs erlebt?
Als wir im Herbst unsere Bewerbung für den Schulpreis einreichten, war unser Ziel unter die Top 50 zu kommen – schon das wäre eine super Rückmeldung für uns gewesen. Aber wir sind im Februar nicht rausgeflogen, sondern kamen unter die letzten 20 Schulen, die besucht wurden. Wir haben den Besuch der Jury als absolut positiven Tag in Erinnerung: Wir erhielten ein professionelles Feedback zu unserer Arbeit, von der wir alle total überzeugt sind. Offenbar sind wir auf dem richtigen Weg und machen in unserem kleinen Stadtteil der Großstadt Neuss in vielen Bereichen Spitzenschule. Das war für uns eine große Freude! Als wir dann auch noch zur Preisverleihung nach Berlin eingeladen wurden, war das für uns einer der Höhepunkte im Schuljahr. Wir sehen uns als Sieger – auch als nominierte Schule. 

Mit welchen Erwartungen sind Sie zum Nominiertentreffen gekommen?
Das Besondere am Nominiertentreffen der Deutschen Schulakademie sehe ich in zwei Bereichen: Das eine ist der Austausch mit anderen Schulformen, die sehr gute Bildungsarbeit leisten. Das Zweite ist der bundeslandübergreifende Austausch, um zu sehen, wie Gymnasien in Bayern, Brandenburg und anderen Bundesländern arbeiten. Das Nominiertentreffen hat eine gute Grundlage gelegt, um aus diesem gemeinsamen Austausch nun auch ein gemeinsames Arbeiten werden zu lassen.

An welchen Themen arbeiten Sie gerade in Ihrer Schule?   
Wir haben uns viel vorgenommen: Im kommenden Schuljahr wollen wir die Entwicklungsprozesse verstetigen, die bei der Arbeit für die Bewerbung angestoßen wurden. Die Erfahrungen aus den Inklusionsklassen hinsichtlich Classroom-Management und sozialem Lernen möchten wir für alle Klassen nutzen. In den nächsten drei Jahren möchten wir Kinder mit Förderbedarf – Stichwort „gemeinsames Lernen“ – zum Abschluss nach dem zehnten Schuljahr führen. Zusammen mit unserer Bezirksregierung entwickeln wir hierfür ein Konzept zur möglichen Umsetzung. G8 ist nach wie vor heißes Thema und wird auch bei anstehenden Landtagswahlen in Nordrhein-Westfalen eine große Rolle spielen. Hier möchten wir Formate entwickeln, damit Schülerinnen und Schülerinnen und Lehrkräfte sich gegenseitig entlasten können. Lehrergesundheit ist ein wichtiges Thema unserer Schulentwicklung. Wir haben ein sehr intensiv arbeitendes Kollegium und zu meiner Funktion als Schulleiter, wie ich sie verstehe, gehört auch Ressourcen für Entlastung zu schaffen. Bei der Unterrichtsentwicklung mit digitalen Medien möchten wir uns weiter professionalisieren: Wir haben vier Klassensätze iPads von unserem Schulträger und Förderverein bekommen. Dabei baue ich auf mein Team, denn die haben richtig Lust und können das auch.

Wie sieht Schülerpartizipation am Gymnasium Norf aus?
Die SV, das Kollegium, die Eltern und die Schulleitung haben im vergangenen Schuljahr intensiv und sehr konstruktiv zusammengearbeitet. Auf Grund der Initiative der SV sind wir mittlerweile „Fair trade School“: Mensa und Kioskprodukte wurden umgestellt und auch im Unterricht haben wir uns noch stärker mit fairem Handel und Nachhaltigkeit auseinandergesetzt. Im Moment arbeiten wir daran, „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ zu werden. Auch hier kann die Initiative von unseren Schülerinnen und Schülern. Als Schulleitung unterstützen wir dieses Engagement selbstverständlich gerne. So wächst ein Netzwerk zur politischen Bildung: Oberstufenschülerinnen und -schüler gehen zu den Jugendpolitikveranstaltungen verschiedener Stiftungen, außerdem veranstalten wir auch selbst Foren mit den Jugendorganisationen der demokratischen Parteien in unserer Schule – mit Unterrichtsanbindung – um die Zukunft unserer Schülerinnen und Schüler und unsere Zukunft zu gestalten.

Zum Hintergrund der Schule:
Das Gymnasium Norf liegt im Süden von Neuss, derzeit besuchen 1210 Schülerinnen und Schüler aus 36 Nationen die Schule, die von 110 Lehrkräften unterrichtet werden. Das Gymnasium bietet ein breites Schulprofil: MINT und Informatik bis Sport und Gesundheitsbildung. Seit drei Jahren gibt es jeweils eine Inklusionsklasse („Förderbedarf Lernen“) pro Zug. Das Gymnasium hat ein eigenes Konzept für zieldifferenten Unterricht, an dem gesamtes Kollegium beteiligt ist. Stefan Kremer ist seit 2005 an der Schule, seit Februar 2015 leitet er das Gymnasiums Norf.