Zeit für Kooperationen muss als fester Bestandteil der Arbeitszeit von Lehrkräften in den Schulalltag integriert werden, forderte Prof. Dr. Hans Anand Pant im Rahmen der Ringvorlesung des FACE-Praxiskollegs an der Universität Freiburg.

Prof. Dr. Hans Anand Pant (Bildmitte) , Fotonachweis: David Weyand

„Lehrkräftekooperation – Anspruch und Wirklichkeit“ lautete der Titel des Vortrages, den Prof. Dr. Hans Anand Pant am 29. Januar im Rahmen der Ringvorlesung des FACE-Praxiskollegs der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg hielt. Der Geschäftsführer der Deutschen Schulakademie stellte die Bedeutung von Lehrkräftekooperationen als unverzichtbares Merkmal der Prozessqualität von Schule und wichtigen Professionsaspekt von Lehrkräften dar. Er machte deutlich, dass Lehrkräftekooperation in Deutschland weiterer erforscht werden muss und außerdem Unterstützungssysteme nötig sind, um Schulen beim Ausbau ihrer Kooperationsstrukturen zu helfen.

Prof. Pant gab in der Vorlesung einen Überblick über das TALIS-Rahmenkonzept. Die von der OECD durchgeführte internationale Vergleichsstudie TALIS untersucht unter anderem, wie die Zusammenarbeit zwischen pädagogischen Kräften an Schulen umgesetzt wird. Die Studie wurde erstmals 2008 durchgeführt. Eine zweite Erhebung war 2013 und für 2018 haben sich 47 Länder zur Teilnahme bereiterklärt. Deutschland beteiligt sich leider nicht. 

Im TALIS-Rahmenkonzept wird Kooperation als Austausch und Koordination zwischen Lehrkräften verstanden und zählt zu den Teacher’s professional activities. Durch Lehrkräftekooperation kann das eigene fachliche und fachdidaktische Repertoire erweitert werden, was positive Auswirkungen auf die adaptive Lehrkompetenz hat. Effekte dieses komplexen Wirkmechanismus´ auf die Schülerleistungen sind aktuell empirisch noch nicht geklärt. Allerdings wurden positive Auswirkungen auf die Gesundheit der Lehrerinnen und Lehrer nachgewiesen. 

Anknüpfend an die Präsentation der TALIS-Studie stellte Prof. Dr. Pant eine Studie vor, die er zusammen mit Prof. Dr. Dirk Richter von der Universität Potsdam im Herbst 2015 durchgeführt hat. Bei der Untersuchung wurden bundesweit Lehrkräfte und (stellvertretende) Schulleitungen der Sekundarstufe 1 computergestützt zum Thema Lehrkräftekooperation befragt. Ein Vergleich der Ergebnisse dieser Studie mit Daten aus TALIS zeigte, dass deutsche Lehrkräfte im internationalen Vergleich verhältnismäßig häufig Lehr- und Unterrichtsmaterial austauschten, jedoch beispielsweise signifikant weniger oft an gemeinsamen Fortbildungen teilnehmen würden. Der Datenvergleich machte deutlich, dass Deutschland, im Vergleich zu anderen Ländern, einige Kooperationsaktivitäten weniger stark ausübt, woraus Handlungsnotwendigkeiten abgeleitet werden können.

Prof. Dr. Pant erklärte, dass Kooperation auf drei Niveaustufen stattfinden kann: Austausch, Arbeitsteilung und Ko-Konstruktion. Die Daten der TALIS-Studie bestätigen, dass häufige Ko-Konstruktion positiv mit dem Selbstwirksamkeitserleben und der Arbeitszufriedenheit von Lehrkräften korreliert. Auch die Daten der Studie von Pant und Richter zeigen einen Zusammenhang zwischen Ko-Konstruktion und Persönlichkeitsmerkmalen wie Selbstwirksamkeit und Berufszufriedenheit. Die Ergebnisse verdeutlichen aber auch, dass diese Art der Kooperation eher selten von deutschen Lehrerinnen und Lehrern praktiziert wird. Prof. Dr. Pant stellte daraufhin anhand ausgewählter Daten seiner Studie dar, dass das Maß an Ko-Kooperation offensichtlich von bestimmten Rahmenbedingungen, wie Zeit und Unterstützung durch die Schulleitung, beeinflusst ist. Wie solche Rahmenbedingungen verändert werden können, um Lehrkräftekooperation zu verbessern, verdeutlichte er exemplarisch anhand von Konzepten ausgewählter Schulen. Abschließend präsentierte er die Schlussfolgerungen, die aus den Ergebnissen seiner Studie gezogen werden können. Darunter zählen zum Beispiel, dass die Kooperationszeit als fester Bestandteil der Arbeitszeit in den Schulalltag integriert werden müsse und dass Kooperation in multiprofessionellen Teams gestärkt werden müsse. Prof. Dr. Pant beendete seinen Vortrag mit einem Zitat von Vangrieken et al. (2005, S.36): „Not collaborating is no longer option“. 

Am Meet-the-Expert Treffen vor der Ringvorlesung nahmen diesmal Studierende, Lehrkräfte verschiedener Schularten von Hochschulpartnerschulen sowie ein Promovend teil. Das einstündige Treffen diente dem persönlichen Austausch von aktuellen Fragen in der Aus- und Fortbildung und im Schulalltag, die auch über das Thema der Kooperation hinausgingen.

Helen Berger, Dr. Martina von Gehlen

Den Video-Mitschnitt der Vorlesung können Sie sich auf der Website des Kooperationsnetzwerkes FREIBURG ADVANCED CENTER OF EDUCATION (FACE) anschauen.