In Alsdorf können die Oberstufenschüler selbst wählen, ob sie direkt zur ersten Stunde um acht Uhr kommen, oder zur zweiten Stunde, die zehn vor neun Uhr beginnt.

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Damit geht das Gymnasium Alsdorf als erste Schule Deutschlands auf die innere Uhr von Jugendlichen ein. Diese ticke anders als bei Erwachsenen, erklärt der Chronobiologe Professor Dr. Till Roenneberger vom Institut für Medizinische Psychologie an der Ludwig-Maximilian-Universität München. Bis zum 20. Lebensjahr gehe die innere Uhr von Heranwachsenden im Vergleich zu Erwachsenen nach. Jugendliche könnten erst später einschlafen. Müssten sie entgegen ihrem Biorhythmus bereits um acht Uhr in der Schule sitzen, seien viele unausgeschlafen, ein „sozialer Jetlag“ entstehe. Drei Viertel aller Jugendlichen hätten laut Roenneberg damit zu kämpfen. Sie fallen während des Unterrichts immer wieder in einen „Mikroschlaf“ und haben Schwierigkeiten, sich zu konzentrieren.

Unterrichtet wird an dem Gymnasium Alsdorf, das 2013 mit dem Deutschen Schulpreis ausgezeichnet wurde, nach dem pädagogischen Konzept der US-Pädagogin Helen Parkhurst. Kern des Dalton-Plans: Neben dem herkömmlichen Unterricht können sich die Schülerinnen und Schüler täglich zwei Unterrichtsstunden selbst einteilen, um Aufgaben zu lösen. Sie entscheiden, mit wem sie arbeiten und woran. Für die Oberstufe ist die erste Schulstunde eine Dalton-Stunde, in der Jugendliche aus unterschiedlichen Klassen und Jahrgängen bei einem Lehrer ihrer Wahl arbeiten. Erst ab der zweiten Stunde herrscht Anwesenheitspflicht. Das macht die Gleitzeit für ältere Schülerinnen und Schüler möglich. Wer ausschlafen will und daher später zum Unterricht kommt, muss die Aufgaben nachholen, zum Beispiel während einer Freistunde. Verlängert wird die Schulzeit, die bis 15.15 Uhr dauert, dadurch nicht.

Sechs Wochen lang schliefen 115 der 250 Oberstufenschülerinnen und -schüler im Dienste der Wissenschaft länger, 45 von ihnen trugen bis Mitte März einen kleinen Computer am Handgelenk, der ihren Wach- und Schlafrhythmus maß. Chronobiologe Roenneberg will mit der Studie an dem Gymnasium Alsdorf herausfinden wie sich der Schlaf der Heranwachsenden durch die Umstellung verändert und ob sich das auf ihre Leistungen auswirkt. Die Ergebnisse sollen im September veröffentlicht werden.

Ein Fazit kann Schulleiter Wilfried Bock bereits nach wenigen Wochen ziehen: Die Schülerinnen und Schüler können unabhängig von ihrer genetischen Disposition als „Eule“ oder „Lerche“ täglich entscheiden, wann für sie der Unterricht beginnt. Allein diese Freiheit bewerten die Jugendlichen positiv.