Die Kooperation „Leadership-Werkstatt“ der Deutschen Schulakademie mit dem Förderprogramm Studienkolleg der Robert Bosch Stiftung und der Stiftung der Deutschen Wirtschaft ist gestartet. Lehramtsstudierende können nun am Hospitationsprogramm teilnehmen.

Jubiläum des Förderprogramms Studienkolleg der Robert Bosch Stiftung
Bildnachweis: Frank Pusch

Erstmals können Lehramtsstudierende des Studienkollegs am Hospitationsprogramm der deutschen Schulakademie teilnehmen. Die Deutsche Schulakademie vergibt in Zusammenarbeit mit den Preisträgern des Deutschen Schulpreises jährlich bis zu 150 Hospitationsstipendien. Nun werden sich nicht nur erfahrene Lehrerinnen und Lehrer, sondern auch die zukünftige Generation beteiligen können. 

Dr. Michael Baer

Bildnachweis: Hoffotografen

Dr. Roman Rösch

Bildnachweis: Anita Back

Im Interview beschreiben Dr. Michael Baer, vorsitzender Bereichsleiter des Studienförderwerks Klaus Murmann der Stiftung der Deutschen Wirtschaft (sdw) im Förderprogramm Studienkolleg und Dr. Roman Rösch, Geschäftsführer der Deutschen Schulakademie, die Inhalte der neuen Kooperation „Leadership-Werkstatt“.

Was ist der Hintergrund für die neue Kooperation aus Sicht der Deutschen Schulakademie?

Roman Rösch: Das Ziel der Deutschen Schulakademie ist Transfer guter Schulpraxis. Die Akademie setzt sich bundesweit und schulartübergreifend für Schulentwicklung und eine bessere Lernkultur ein, die sich an den sechs Qualitätsbereichen des Deutschen Schulpreises orientiert: Leistung, Umgang mit Vielfalt, Unterrichtsqualität, Verantwortung, Schulklima und Schule als lernende Institution. Bisher arbeitet die Deutsche Schulakademie direkt mit den Schulen und hat vor allem diese Zielgruppe im Blick. Zukünftig wollen wir den Blick weiten und die zukünftigen Lehrerinnen und Lehrer mit einzubeziehen. Für gute Schulen ist das praxisnahe Lernen in unserem Preisträgernetzwerk auch für diese Zielgruppe ein wichtiger Faktor. Hierfür haben wir nun einen erfahrenen Partner mit ins Boot genommen. Das Förderprogramm Studienkolleg ist für die Deutsche Schulakademie ein langjähriger Partner, nicht zuletzt da beide über die Robert Bosch Stiftung gefördert werden. Mit der Kooperation „Leadership-Werkstatt“, bei der erstmalig auch Lehramtsstudierende an unserem langjährigen Hospitationsprogramm teilnehmen können, setzen wir also quasi eine Tradition fort. 

Welche Intention verfolgt die Stiftung der Deutschen Wirtschaft mit der Leadership-Werkstatt?

Michael Baer: Die Leadership-Werkstatt ist ein innovatives und modulares Veranstaltungskonzept, durch die das anerkannt hochwertige Veranstaltungsprogramm im Studienkolleg durch passgenaue und begleitete Schulhospitationen ergänzt wird, an denen möglichst viele unserer Stipendiatinnen und Stipendiaten teilnehmen sollen. Die Leadership-Werkstatt besteht aus drei Modulen im Zeitraum von vier bis sechs Wochen. Ein zweitägiges Einführungsseminar gibt den Geförderten eine Einführung in Führung an Schule, damit sie einen Hospitationsplan entwickeln können. Im Anschluss folgt eine einwöchige Hospitation an einer selbstgewählten Schule, in der die Studierenden im Sinne eines Shadowing eine Schulleitung begleiten. Zum Abschluss kommen die Teilnehmenden zu einem ein- bis zweitägigen Reflexionsseminar zusammen. Mit diesem Konzept wird der bislang eher theoretische Input im Programm „Studienkolleg" deutlich praxisorientierter, da die Teilnehmenden nun mit realen Problemstellungen an reale Schulen arbeiten können.

Was sind die konkreten Vorteile für das Studienkolleg durch die Kooperation mit der Deutschen Schulakademie?

Michael Baer: Durch die Kooperation mit der Deutschen Schulakademie wird es dem Studienkolleg leicht möglich, die Programmteilnehmenden mit zahlreichen innovativen Schulen zu „matchen". Das Schul-Netzwerk der Deutschen Schulakademie sucht in Deutschland ihresgleichen: An den Mitgliedschulen wird Schulentwicklung anhand der Kriterien des Deutschen Schulpreises betrieben, die wiederum für viele Veranstaltungen im Programm „Studienkolleg" zu den Grundlagen gehören. Insofern gibt es viele praktische Bezüge.

Welche Vorteile und Synergien ergeben sich aus Sicht der deutschen Schulakademie?

Roman Rösch: Wir arbeiten bei der deutschen Schulakademie in allen unseren Programmen mit den besten Schulen, den besten Schulleiterinnen und Schulleitern und den besten Lehrerinnen und Lehrern zusammen. Im Netzwerk Studienkolleg versammeln sich die besten Lehrerinnen und Lehrer der Zukunft. Es ist natürlich interessant und spannend diese beiden Gruppen immer wieder zusammenzubringen - mit dem Ziel „Mehr gute Schulen“ im Blick. Die Leadership-Werkstatt ist ein guter Ansatzpunkt hierfür. Die Stipendiaten und Stipendiatinnen hospitieren eine Woche im Rahmen des regulären Hospitationsprogramms an einer Preisträgerschule des Deutschen Schulpreises.
Unser langjährig bestehendes Hospitationsprogramm wird somit für Studierende geöffnet und gleichzeitig geschärft. Synergien ergeben sich auch aus der dadurch entstehenden neuen Dynamik in dem Programm, wenn junge Lehramtsstudierende zum Beispiel einen anderen Blickwinkel im Vergleich zu den erfahrenen Lehrkräften einnehmen und dadurch neue Perspektiven entwickelt werden können.

Die Stiftung der Deutschen Wirtschaft und die Deutsche Schulakademie sind quasi Schwesterorganisationen. Beide stehen für „Mehr gute Schulen“. Welche Synergien sehen Sie?

Michael Baer: Neben der nun vereinbarten Kooperation im Zusammenhang mit der Leadership-Werkstatt gibt es noch mehr Synergien mit der Deutschen Schulakademie. Zum einen stellt die Deutsche Schulakademie schon seit Jahren gute Kontakte zu Trainern und Coaches aus dem eigenen Netzwerk für das Programm "Studienkolleg" zur Verfügung. Viele dieser Trainer und Coaches haben eine enge Bindung auch an das Studienkolleg und seine Teilnehmenden entwickelt - bis hin zur Übernahme von Ehrenämtern im Rahmen des Programms als sogenannte Vertrauenspersonen für die Studierenden an den Hochschulorten. Darüber hinaus entstehen permanent gute Ideen für weitere Zusammenarbeit unterwegs. Und schließlich werden beide Initiativen aus derselben Hand - der Robert Bosch Stiftung - großzügig gefördert.

Das Studienkolleg feiert im Juni sein zehnjähriges Jubiläum. Die Deutsche Schulakademie gibt es seit zwei Jahren.  Wie sehen Sie die Tradition und den Faktor Zeit für den Netzwerksaufbau?

Roman Rösch: Ich habe ja hier einen doppelten Hut auf, da ich in den letzten Jahren bei der Robert Bosch Stiftung das Studienkolleg mit betreut habe.
Ich finde es toll, dass die Robert Bosch Stiftung so lange am Ball geblieben ist – 10 Jahre. Das zeichnet die Arbeit der Stiftung aus – keine kurzfristigen Eintagsfliegen, sondern eine wirklich langfristige Arbeit mit Hand und Fuß. Das gilt sowohl für das Studienkolleg, das schon zehn Jahre existiert, als auch für die deutsche Schulakademie, die auch auf einen langen Zeitraum hin angelegt ist. Nur so kann man Wirkung erzeugen. Das Netzwerk, das im Studienkolleg entstanden ist, ist inzwischen ja sehr groß und vielversprechend mit jungen Nachwuchskräften, die in Deutschland Schule noch einmal anders machen. Auch das Netzwerk der deutschen Schulakademie mit den über 60 Preisträgerschulen ist schon sehr gewachsen. Die Deutsche Schulakademie hat aber natürlich noch viel mehr vor. So richten sich unsere Angebote an alle Schulen in Deutschland. Wir planen in den nächsten Jahren unsere Aktivitäten stark auszubauen. Da hat uns das Studienkolleg schon einiges voraus. Und an dieser Stelle ist es glaube ich an der Zeit, zu 10 Jahren erfolgreiche Arbeit aus ganzen Herzen zu gratulieren. 

Welche Bilanz können Sie zum zehnjährigen Jubiläum des Studienkollegs ziehen und welche Zukunftsaufgaben stehen noch an?

Michael Baer: In zehn Jahren konnten wir insgesamt bereits über 800 junge Lehramtsstudierende in das Programm aufnehmen - etwas mehr als die Hälfte dieser aktiven Schulgestalter haben das Programm bereits abgeschlossen und sind im Berufsleben angekommen - viele von ihnen in der Schule, wo sie unmittelbar an der Schulentwicklung mitwirken, aber auch viele an den Hochschulen, wo sie ihre Erkenntnisse und ihr Engagement in die Lehrerbildung einbringen. Dies ist eine schöne Erfolgsgeschichte, die wir gerne fortführen und weiterentwickeln möchten. Zum einen soll das Programm in den nächsten Jahren noch stärker praxisorientiert sein - die Kooperationsvereinbarung mit der Deutschen Schulakademie zur Leadership-Werkstatt ist ein konsequenter Schritt in diese Richtung. Zum anderen möchten wir künftig verstärkt Blended-Learning-Formate einsetzen, um unsere Präsenzveranstaltungen noch effizienter vor- und nachzubereiten. Und last but not least sehen wir, dass trotz der beeindruckenden Zahlen und Erfolge noch sehr viel zu tun ist, da sich die Angebote der Lehrerbildung nur sehr langsam in Richtung Leadership weiterentwickeln. Insofern hoffen wir natürlich, dass unsere "gemeinsame Schwester" Robert Bosch Stiftung uns auch nach Ende des laufenden Förderhorizonts weiter zur Seite stehen kann.

(Das Interview führte Dr. Maria Hoffacker)

Weitere Information zum Hospitationsprogramm und zur Anmeldung
Weitere Informationen zu Studienkolleg