Bei dem Schülerprojekt „Lernen trifft Leben“ der Evangelischen Schule Neuruppin entwickeln Schülerinnen und Schüler aus ihrer Perspektive Schule. Hanna Freye aus dem elften Jahrgang schildert ihre Erfahrungen beim ersten Workshop Anfang Januar.

Schüler bei Projekt "Lernen triff Leben"
Bildnachweis: Lea Baumgart, 14 Jahre, Jahrgang 9

An der Evangelischen Schule Neuruppin, Hauptpreisträger des Deutschen Schulpreises 2012, startet in diesem Schuljahr mit Unterstützung der Deutschen Schulakademie ein neuartiges Format der Schulentwicklung: Bei LERNEN TRIFFT LEBEN entwickeln Schülerinnen und Schüler aus ihrer Perspektive Schule. Ausgangspunkt für das Schülerprojekt ist die Frage, wie schulisches Lernen aus den individuellen Bedürfnissen der Mädchen und Jungen heraus gestaltet werden kann, um in der Vorbereitung des Übergangs von Schule in die Berufswelt und in die Zeit nach der Schule wirksam zu werden. Zentrale Frage ist: Was brauchen Schülerinnen und Schüler, damit sie erfolgreich und nachhaltig lernen? Das partizipative Prinzip von Schülern für Schüler wird in höchstem Maße praktiziert, weil die Jugendlichen aus ihrer Perspektive nach flexiblen Lernorten, nach den Inhalten und neuen Strukturen schauen.

Am 5. und 6. Januar 2017 fand der Auftaktworkshop in der Tagungsstätte der Evangelischen Akademie Berlin-Schwanenwerder statt. An diesem nahmen 40 Schülerinnen und Schüler der Evangelischen Schule Neuruppin aus den Jahrgängen 8 bis 11 teil. Ihre ersten Ideen von einer „Schule der Zukunft“:

  • Lernen ohne traditionelle Leistungsbewertung, Theater ohne Noten
  • Fächer aus dem Bereich Kunst, Musik, Sport
  • Flexibler Übergang von Schule in die Ausbildung oder ins Studium
  • Mehr Praxisphasen im Bereich Handwerk, Hauswirtschaft, Wirtschaft und Technik
  • Flexible Unterrichtszeiten und Lernen am außerschulischen Lernort
  • Ältere lernen mit Jüngeren; Schülerinnen und Schüler lernen mit Experten von außen an lebensnahen Aufgaben
  • Lehrerin oder Lehrer wird persönlicher Coach


Hanna Freye, 16 aus dem Jahrgang 11, berichtet über ihre Eindrücke vom Auftaktworkshop:

„Zunächst wurden wir herzlich von den beiden Moderatoren von „plan politik“ begrüßt, die uns während der gesamten Zeit begleiteten. Mit ihrer Unterstützung wollten wir gemeinsam neue Ansätze für die „Schule der Zukunft“ entwickeln. Zum Auftakt des Workshops berichteten in einem Podiumsgespräch unsere Schulleiterinnen, Anke Bachmann und Dr. Bettina Labahn, sowie Heinz-Joachim Lohmann, Studienleiter der Evangelischen Akademie Berlin-Brandenburg, und der Wiener Erziehungswissenschaftler Prof. Henning Schluss aus ihrer eigenen Schulzeit. Anschließend haben wir uns durch Gruppenfragen und „Speed -Datings“ dem Thema „Schule und Lernen“ genähert. Durch den Themenblock von Prof. Schluss ist uns die Vielfältigkeit des Begriffes „Bildung“ klar geworden. Gemeinsam haben wir unsere Kritikpunkte zu dem heutigen Schulsystem zusammengetragen und uns in Kleingruppen ein spezielles Konzept für eine Schulreform in der Zukunft überlegt. Den ganzen Nachmittag haben wir intensiv diskutiert und sind in allen Gruppen auf sehr unterschiedliche Ansätze gestoßen. Die Präsentation unserer Ideen fand am nächsten Tag statt, für die Veranschaulichung wurde viel gebastelt und geklebt. Hierfür wurden Experten aus Wirtschaft und Politik eingeladen, wie Marie Luise von Halem, Bündnis 90/Die Grünen, MdL Brandenburg, und Ralf Osterberg, Vorstand der Sparkasse Ostprignitz-Ruppin. Für uns war es besonders interessant, ihre Meinung im Hinblick auf die Anforderungen aus der Gesellschaft zu unseren Ideen zu hören. Als Abschluss der Tagung haben wir die Zeit reflektiert und bereits einen Aufbau-Workshop für den 2. und 3. Mai 2017 geplant. Bei diesem wollen wir unsere Ideen mit denen von anderen Schülerinnen und Schülern – auch aus dem Ausland – zusammentragen und neue Konzepte entwickeln, welche im Schuljahr 2017/18 bereits teilweise umgesetzt werden. Diese Tagung werden wir selbst, ein Projektteam von ca. 25 Schülerinnen und Schülern, vorbereiten und durchführen. Wir bedanken uns für die Unterstützung und die anregende Arbeit in der Ideenwerkstatt während dieser Zeit. Es war ein toller Einstieg in ein für uns wirklich wichtiges Thema, an dem wir nun weiterarbeiten wollen!“