Die Deutsche Schulakademie begleitet den bundesweiten Kinostart von „Berlin Rebel High School“ am 11.5. mit zahlreichen Patenschaften. Regisseur Alexander Kleider, der selbst Schüler der Schule war, erzählt, was er mit dem Film erreichen möchte.

Regisseur Alexander Kleider mit Regionalteams der Deutschen Schulakademie
Bildnachweis: Deutsche Schulakademie

Alexander Kleider hat einen Film über die Berliner Schule für Erwachsenenbildung e.V. (SFE) gedreht, wir berichteten. Die außergewöhnliche Schule erhielt 2016 den Deutschen Schulpreis. Der Film handelt von diesem einzigartigen Schulprojekt: Eine Schule, die von den eigenen Schülerinnen und Schülern verwaltet wird. Ohne Noten, ohne Leistungsdruck und Zwang organisieren sie ihre Schule selbst - und das erfolgreich, seit über 40 Jahren. 

Kinos, die "Berlin Rebel High School" zeigen

Nicht nur deshalb unterstützt die Deutsche Schulakademie den sehr sehenswerten Film und hat an vielen Orten zum Kinostart die Patenschaft übernommen. Wir möchten vor allem dazu beitragen, dass der Film bekannt wird und möglichst oft im Kino gezeigt werden kann, so dass viele ihn sehen und zum Anlass nehmen über Möglichkeiten für „Mehr gute Schulen“ zu diskutieren. Umfassende Informationen und einen Kinofinder finden Sie auch auf der Website zum Film "Berlin Rebel High School" und der Facebook-Fanpage. Eine Liste aller Kinos, in denen "Berlin Rebel High School" läuft, finden Sie hier.

Patenschaften zum Kinostart

Hier eine Übersicht der Patenschaften, die wir übernommen haben und die sie auf den verlinkten Fotos auch als Veranstaltungsformat sehen können.

  • Stuttgart:
    Robert Bosch Stiftung, Dr. Karin E. Oechslein
    Bund der Freien Waldorfschulen, Prof. Christian Boettger
    Zur Facebookveranstaltung

Interview mit Filmregisseur Alexander Kleider

Regisseur Alexander Kleider stellte den Film auf dem Regionalteamtreffen der Deutschen Schulakademie noch einmal vor. Im Interview erläutert er, was der Film mit dem deutschen Schulpreis zu tun hat, welche Erfahrungen er selbst an der Schule für Erwachsenenbildung (SFE) gemacht hat und welche Veränderungen er durch den Film anstoßen möchte.

Regisseur Berlin Rebel High School

Bildnachweis: Maria Hoffacker

Herr Kleider, Ihr Film „Berlin Rebel High School“ wurde auf der Berlinale gezeigt und war für den Deutschen Filmpreis nominiert. Ein gutes Gefühl, auch wenn Sie die Lola noch nicht mit nach Hause nehmen konnten? 

Alexander Kleider:  Den höchsten Deutschen Filmpreis, das ist natürlich das, was man sich als Filmemacher wünscht. Wir waren nominiert und damit unter den drei besten Dokumentationen, das ist schon eine besondere Auszeichnung. Den Publikumspreis des Austin-Festivals hat der Film ja bereits. Und auf weiteren Filmfestivals wie in Schwerin und München läuft er aktuell. Insgesamt bin ich mehr als zufrieden und freue mich, dass der Film so gut ankommt und viele Diskussionen anregt.

Wie kam es dazu, dass Sie diesen Film gedreht haben? Was war Ihre Motivation? Und was hat das mit dem Deutschen Schulpreis zu tun?

Alexander Kleider: Meine letzten beiden Dokumentarfilme hatten eher schwere Themen, nun wollte ich gern einen Film mit einem positiven Projekt machen. Ich hatte eine wunderbare Zeit an meiner Schule der SFE (der Schule für Erwachsenbildung) und ich wollte etwas zum Thema Bildung machen, da ich der Meinung bin, dass Bildung der Schlüssel zu allen Veränderungen in unserer Gesellschaft ist. Der Dreh hat einiges an der Schule in Bewegung gebracht. Während ich den Film an der SFE gedreht habe, ist auch die Idee entstanden, sich für den Deutschen Schulpreis zu bewerben. 2016 sind sie dann ja auch mit dem Deutschen Schulpreis ausgezeichnet worden. So hat das Konzept eine breitere Öffentlichkeit erreicht.

Sie waren selbst Schüler der Schule für Erwachsenenbildung? Was war der Grund dafür, dass Sie diese Schule besucht haben?

Alexander Kleider: Ich bin ein klassischer Schulverweigerer und kann mich mit meinen Protagonisten sehr gut identifizieren. Alles was ich gern gemacht habe, wurde mir in der Schule vergällt. Ich habe gern Musik gemacht, der Musikunterricht war der Horror, ich habe gerne geschrieben, Deutsch – vor allem die Grammatik – war furchtbar. Das natürliche Lernen wurde mir in der Schule genommen. Dazu kam der enorme Leistungsdruck. Ich bin dann von der Schule abgegangen und habe dann irgendwann mal davon gehört – damals gab es ja noch kein Internet – dass es diese Schule in Berlin gibt. Ich habe angerufen und war beim Infotag und da war dann wirklich alles anders. Es war eine Explosion der Neugier. Ich wollte auch unbedingt Abitur machen, weil ich studieren wollte. 

Wie ist der Berufswunsch Filmemacher entstanden? 

Alexander Kleider: Mein Vater war Super 8 Filmer, das hat mich schon geprägt. Und dann hat Klaus, mein Kunstlehrer an der SFE, mich weiter ermutigt und mich gefördert. So habe ich dann direkt nach dem Abitur angefangen, Filme zu machen und eine Produktionsfirma gegründet. Das selbstständige Handeln und auch das Selbstbewusstsein hierfür habe ich an der SFE, dieser urdemokratischen Schule, gelernt und auch für meine Ideen zu kämpfen. Eigenverantwortung lernt man dort wirklich.

Was wünschen Sie sich für den bundesweiten Filmstart am 11.5.2017? Wie ist der Stand des Patenkonzepts?

Alexander Kleider: Ich wünsche mir, dass der Film gesellschaftliche Diskurse anschiebt und eine breitere Öffentlichkeit anregt, über unser Schulsystem zu diskutieren. Ich wünsche mir, dass der Film Hoffnung transportiert und zeigt, dass Utopien funktionieren können. Es gibt Wege die Gesellschaft zu verändern und der Schlüssel liegt in der Bildung. Der Film startet in 34 Städten am 11.5. bundesweit. In 30 Städten haben wir Paten, die den Film präsentieren und unterstützen, das ist ein breites Feld unterschiedlichster Organisationen. Darüber freue ich mich. Denn so wird der Film im Kino von vielen gesehen und Anlass zu vielen produktiven Diskussionen geben. Und nicht zuletzt zeigt er auch Schülerinnen und Schülern, welche Möglichkeiten es gibt, das Abitur zu machen.