Die staatliche Gemeinschaftsschule in Jena feiert Geburtstag. Ein Gespräch mit Dr. Roman Rösch, Geschäftsführer der Deutschen Schulakademie, über die Anfänge des Deutschen Schulpreises und die Bedeutung der Jenaplan-Schule Jena für die Gesellschaft.

Bildnachweis: ZDF Bilderdienst/Jürgen Detmers

Am 27. Mai 2016 feiert die Jenaplan Schule Jena ihr 25-jähriges Jubiläum mit einem Festakt im Volkshaus Jena. Die staatliche Gemeinschaftsschule ist seit 2006 Mitglied im Netzwerk der Preisträgerschulen, da sie im ersten Jahrgang des Deutschen Schulpreises ausgezeichnet wurde. 

Herr Rösch, erinnern Sie sich noch an die Anfänge des Deutschen Schulpreises?
Daran kann ich mich sehr gut erinnern, denn 2006 war schließlich auch für mich der erste Jahrgang. Ich war damals noch ganz neu in der Robert Bosch Stiftung und eine meiner Aufgaben war es, den Deutschen Schulpreis aufzubauen. Es gab eine hohe Anzahl von Bewerbern: 481 allgemeinbildende Schule aus ganz Deutschland. Damals gab es noch keine Bewerbungen per Mail, sondern die Schulen schickten ihre Unterlagen mit der Post. Manche hatten ganze Kisten voll mit Material über ihren Unterricht gepackt, das wir an die Mitglieder der Jury verteilen sollten. Tag für Tag wuchs die Zahl der Einsendungen, wir wussten schließlich gar nicht mehr, wo wir die vielen Unterlagen lagern sollten. Das war ein großartiger Start für den Deutschen Schulpreis.

Wie wichtig ist das Konzept des Jenaplans für die Schulentwicklung und für die Deutsche Schulakademie?
Der Deutsche Schulpreis verleiht keine Preise für pädagogische Konzepte, sondern zeichnet immer die individuelle Schule aus. Sie wird an den sechs Qualitätsbereichen des Deutschen Schulpreises gemessen: Leistung, Umgang mit Vielfalt, Unterrichtsqualität, Verantwortung, Schulklima und Schule als lernende Organisation. Die Jenaplan-Schule Jena war preiswürdig, weil sie das pädagogische Konzept von Peter Petersen an die modernen Anforderungen an Schule angepasst hat und zur Grundlage für ihre Schulentwicklung gemacht hat. 

Welche Bedeutung hat die Jenaplan-Schule Jena für die Gesellschaft?
Schule ist immer ein Abbild der Gesellschaft. Deshalb ist die Beschäftigung damit, wie die Jüngsten der Gesellschaft, die unseren besonderen Schutz und unsere besondere Aufmerksamkeit bedürfen, in Schule behandelt werden, welche Mitspracherechte sie haben, wie und was sie lernen, so fundamental wichtig. Beim Deutschen Schulpreis und jetzt auch bei der Deutschen Schulakademie fragen wir uns: Wie werden gute Schulen zu guten Schulen? Dabei stellen wir immer wieder fest, dass viele der exzellenten Schulen in besonderen Situationen gegründet wurden oder dass es Einschnitte gab, die die Schulentwicklung ausgelöst haben. Einige Schulen hatten massive Probleme, manche standen sogar kurz vor der Schließung. Sie haben sich dann quasi selbst neu erfunden und sich dabei pädagogisch so hervorragend weiterentwickelt, dass sie nun Vorbild für andere sein können. Das besondere an der Jenaplan-Schule in Jena ist ihre Gründungsgeschichte: Nach der Wende beschlossen Lehrkräfte, die alte pädagogische Ideologie der DDR hinter sich zu lassen und etwas Neues zu wagen. Daraus erwuchs ein starker Entwicklungsimpuls. In Jena hat eine ganz besondere Auseinandersetzung mit den Fragen stattgefunden: Was für eine Schule wollen wir für unsere Kinder? Wie sollen sie lernen? Welche Werte wollen wir ihnen vermitteln und mitgeben? Diese Kraft, den Willen und auch den Mut hat die Jenaplan-Schule Jena mit vielen anderen Schulen im Netzwerk gemeinsam. 

Was können andere Schulen von dieser Schule lernen?
In der Jenaplan-Schule Jena werden viele Dinge ausprobiert und entwickelt von denen andere lernen und profitieren können. Ich kann mich gut an die Curriculare Arbeit erinnern, da wurde der thüringische Lehrplan einmal komplett auseinander genommen und in ein fächerübergreifendes Lernen gebracht. Es wurden eigene Formen der Leistungsrückmeldung entwickelt, ein ganz aktuelles Thema in der Arbeit der Deutschen Schulakademie. Die Jenaplan-Schule ist einer der Pioniere bei der Projektarbeit. Ich war bei unserem Schulbesuch 2006 zutiefst beeindruckt von den Mindmaps, die wir damals gesehen haben. Und von der Neuinterpretation des Jenaplans mit dem jahrgangsübergreifenden Unterricht, den Ritualen wie der Feier am Ende der Woche, von dem respektvollen Umgang zwischen Lehrkräften, Kindern und Jugendlichen. Davon können auch andere Schulen lernen, die keine Jenaplanschulen sind. In der Publikation „Ein neuer Jenaplan. Befreiung zum Lernen. Die Jenaplan-Schule 1991-2007“ aus dem Friedrichverlag mit Unterstützung der Robert Bosch Stiftung, wird sehr deutlich, wie es der Schule gelungen ist, den Jenaplan als Instrument der Schulentwicklung zu nutzen. Aber ich betone noch einmal: Nur weil Jenaplan draufsteht, heißt es nicht automatisch: Das ist eine gute Schule. Sondern wichtig ist, was die einzelne Schule macht.

Wie arbeitet die Jenaplan-Schule Jena bei den Angeboten der Deutschen Schulakademie mit?
Ich kenne kein Exzellenzforum bei dem die Jenplan-Schule Jena nicht einen Workshop übernommen hat. Sie waren immer bei den Kollegtreffen, haben an diversen Tagungen teilgenommen. In der neuen Deutschen Schulakademie haben Vertreterinnen und Vertreter der Schule das Forum Individuelle Bildungsverläufe mit vorbereitet und einen Workshop gestaltet. Von Anfang an nimmt die Schule am Hospitationsprogramm teil, beteiligt sich an Lernforen in ihrer Region. Die Sprecherin des Netzwerks für den Osten ist Helke Felgenträger, Lehrerin an der Jenaplan-Schule Jena. Die Jenaplan-Schule Jena war immer ein aktiver Teil des Netzwerkes.

Was wünschen Sie der Jenaplan-Schule zu ihrem 25. Jubiläum?
Ich wünsche der Jenaplan-Schule Jena, dass sie ihre gute Arbeit weiter fortsetzt – in einer Stadt wie Jena, die eine der besten Schulangebote Deutschlands hat. Und ich wünsche mir natürlich weiterhin viele aktive Beiträge zur Deutschen Schulakademie

Das Interview ist ein Auszug aus dem Festband der Jenaplan-Schule Jena zum 25-jährigen Jubiläum.