Am Oberstufenkolleg der Laborschule Bielefeld fand der zweite Workshop der Pädagogischen Werkstatt Raum und Zeit statt. Das Pilotprojekt spiegelt den Ansatz der Deutschen Schulakademie wider: Praktiker lernen und arbeiten gemeinsam mit Praktikern, unterstützt von Wissenschaftlern

Bildnachweis: Claudia Dikmanns

Freitagmorgen am Oberstufenkolleg der Laborschule Bielefeld: Schülerinnen und Schüler sitzen mal in Gruppen, mal allein und arbeiten auf der offenen Ebene, genannt „Feld“, nur getrennt durch große Grünpflanzen – ein Treibhaus des Lernens. Mittendrin eine Gruppe von Lehrerinnen und Lehrern. „Was macht ihr denn hier?“ fragt ein Schüler neugierig. „Wir arbeiten heute in der Pädagogischen Werkstatt Raum und Zeit, ein Pilotworkshop der Deutschen Schulakademie.“ –  „Und was macht ihr da so?“ Beim ersten Treffen im Mai, erzählt Schulleiter Wilfried Kretschmer hätten sie sich an der Ostsee in einem Schloss getroffen, um eine Traumreise zu machen. „Wir haben unsere Vision von Schule geträumt.“ Nun wollen sie im zweiten Workshop konkrete pädagogische Entwicklungsvorhaben entwickeln. „Psst, Ruhe!“ mahnen ein paar Oberstufenschüler.

Neben bewährten Programmen wie dem Hospitationsprogramm oder der Pädagogischen Werkstatt Vielfalt entwickelt und erprobt die Deutsche Schulakademie auch neue Konzepte wie die Pilot-Werkstatt Raum und Zeit und evaluiert, ob sie sich für das Programm der Akademie eignen. „Unser Projekt zeichnet sich dadurch aus, dass der konkrete Veränderungsprozess der Einzelschule im Mittelpunkt steht“, sagt Wilfried Kretschmer, einer der vier Leiter von Raum und Zeit. Dabei wird Schulentwicklung als sehr tiefgreifender Prozess verstanden, der von der Haltung der Beteiligten abhängt und zu der deshalb intensiv gearbeitet wird. Das Pilotprojekt spiegelt den Ansatz der Deutschen Schulakademie wider: Praktiker lernen und arbeiten gemeinsam mit Praktikern, unterstützt von Wissenschaftlern.

Die 36 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus zwölf Schulen haben alle Verbindungen zum Netzwerk der exzellenten Schulen, die seit 2006 mit dem Deutschen Schulpreis ausgezeichnet wurden: Einige sind Preisträger, manche haben sich beworben und waren bereits für den Preis nominiert, die meisten haben am Hospitationsprogramm teilgenommen. Alle Schulen eint: Sie haben sich auf den Weg gemacht und wollen ihre Schule verändern, weiterentwickeln und neue Raum-Zeit-Konzepte entwerfen, um für ihre Schülerinnen und Schüler anregende Lernumgebungen zu schaffen.

„Nachdem wir im ersten Workshop am Meer waren, haben wir uns für unser zweites Treffen bewusst einen ganz anderen, urbanen und industriellen Ort gewählt“, sagt Wilfried Kretschmer (Robert-Bosch-Gesamtschule Hildesheim), der gemeinsam mit Barbara Riekmann (ehemals Max Brauer Schule, Hamburg), Ulrike Kegler (Montessori-Oberschule Potsdam) und Hans Kröger (ehemals Oberstufenkolleg Bielefeld) die Werkstatt Raum und Zeit leitet – alle vier Schulen sind Preisträger des Deutschen Schulpreises. 

Am ersten Tag des Workshops waren die Lehrerinnen und Lehrer, Schulleiterinnen und Schulleiter in Bielefeld unterwegs auf der Suche nach Motiven zum Thema Umbrüche, machten Fotos und führten Interviews. Daraus entstanden zwölf Videoinstallationen. Nun, am zweiten Tag sollen sie eine künstlerische Installation zu ihrem Schulentwicklungsprojekt entwickeln. Die vier Leiter der Pädagogischen Werkstatt haben Papier, Stoffbahnen, Farbe, Kordeln und vieles mehr mitgebracht. Die Arbeit beginnt: Eine Gruppe aus einer Berufsschule baut ein meterhohes Zelt aus Stoff – es symbolisiert das gemeinsame Dach, dass sie für ihre Schule, die aus vielen verschiedenen Einheiten besteht, entwickeln wollen. Ein Schulleiter überdenkt gerade die Zeitstruktur seines Gymnasiums, lange und intensiv arbeitet er an seinem Poster. Anschließend werden die Installationen vorgestellt und diskutiert. 

Das nächste Treffen findet Ende November in Suhl statt. Dann geht es darum, den Weg für die eigene Schulentwicklung zu konkretisieren, sich die Etappen für den Weg auszumalen: Mit welchen Hindernissen ist zu rechnen? Wie geht man mit Widerständen um und reagiert auf Hierarchien, sind nur ein paar der Fragen, um die es gehen wird. „Diese Form des gemeinsamen Coachings hat Zukunft“, glaubt Wilfried Kretschmer. „Nur wenige Fortbildungen bieten so ein intensives Feedback. Das bietet nur die Deutsche Schulakademie.“

Mehr über die Pädagogische Werkstatt Zeit und Raum finden sie hier.