In Tansania haben Schülerinnen und Schüler der Robert Bosch Gesamtschule eine Krankenstation aufgebaut. Diese wurde nun offiziell akkreditiert und mit einem Fest gewürdigt. Zwei Hildesheimer Schüler erzählen ihre Erfahrungen beim Praktikum vor Ort.

Einweihung der Krankenstation in Tansania mit der Robert Bosch Gesamtschule
Bildnachweis: Robert Bosch Gesamtschule

Zu der Feierstunde am Fuße des Kilimanjaro waren mehrere hundert Menschen gekommen: Massai, Schülerinnen und Schüler sowie Lehrkräfte der Sekundarschule aus der näheren Umgebung waren genauso erschienen wie die Novizinnen des Nonnenordens außerdem lokale Prominenz. Sie alle waren der Einladung der Heilig-Geist-Schwestern, unter der Leitung von Schwester Inviolata, gefolgt. Diese auf Krankenversorgung spezialisierten katholischen Nonnen betreiben die Krankenstation der Robert-Bosch-Gesamtschule Hildesheim vor Ort.

Ende Januar hat der tansanische Staat die Krankenstation der Robert-Bosch-Gesamtschule offiziell anerkannt. Der Präsident des Verwaltungsbezirkes Siha, Onasewana, würdigte in seiner Rede die Verdienste der Bürger aus Hildesheim, die uneigennützig einen bedeutenden Beitrag zur medizinischen Versorgung der Bevölkerung geleistet haben. Diese Hilfe geschehe in einer Region, in der es bislang keinerlei medizinische Einrichtungen gab. Zum nächsten Krankenhaus waren es bisher 40 Kilometer. Viele Patienten schafften diesen Weg nicht. Vor allem war dies bei Komplikationen während der Geburt der Fall. Die werdenden Mütter und Kinder gerieten dadurch oft in Lebensgefahr. Als Zeichen der Verbundenheit wurde an der Krankenstation der Name „HildesHeim“ angebracht.

Schulleiter Dr. Wilfried Kretschmer bedankte sich bei den Schwestern des Ordens für die hervorragende Zusammenarbeit und bei dem ebenfalls aus Hildesheim angereisten Wasserbauingenieur Prof. Jochen Pabsch, dem aufgrund seiner beruflichen Erfahrungen in der Region die Idee zum Bau der Krankenstation gekommen war, und der diese vor sechs Jahren der Hildesheimer UNESCO-Projektschule angetragen hatte. Ohne ihn wäre das Projekt nicht zu realisieren gewesen. Die Robert-Bosch-Gesamtschule, so der Schulleiter, entsende jedes Jahr eine Delegation von Schülern auf die Kilari Farm in der Nähe der Krankenstation. In diesem Praktikum arbeiteten die Schülerinnen und Schüler auf der Krankenstation, genauso wie in Kindergärten, Grundschulen, weiterführenden Schulen und auf dem Farmgelände selbst. Diese seit fünf Jahren bestehende Kooperation hat sich über diesen Zeitraum vertieft. Die Begegnungen zwischen den Menschen, aus so unterschiedlichen Kulturkreisen, wurden dabei immer intensiver. Auf diese Weise lernten die Schüler eine andere Kultur und andere Mentalitäten kennen. 

Massai bei der Einweihung der Krankenstation in Tansania

Bildnachweis: Robert Bosch Gesamtschule

Lotta Löwe, 11. Jahrgang, und Morten Trombach, 12. Jahrgang, waren als Praktikanten in Tansania und schildern ihre Erfahrungen:

Tansania - Die meisten denken an Safaris und Sansibar. Wir hatten die Chance ein sehr vielfältiges, anders Tansania kennenzulernen, geprägt von Armut aber auch von Gastfreundschaft und Freude. Diese Chance wurde uns von unserer Schule, der Robert-Bosch-Gesamtschule, ermöglicht, die anlässlich ihres vierzigsten Geburtstages eine Krankenstation in Tansania bauen ließ. Diese wurde durch Spendengelder aufgebaut und wird nun durch regelmäßige Sachspenden betrieben. 

Seit Beginn des Baus bekommen jedes Jahr zwölf Schüler die Möglichkeit, in diesem Land selbst aktiv zu werden. Zwar kennen viele Leute, die Probleme dieses oder eines anderen afrikanischen Landes, doch dort zu sein, ist etwas völlig Anderes. Auch wenn wir eine viermonatige Vorbereitung genossen haben, kann keine AG dieser Welt einen auf das vorbereiten, was kommt.

Anfangs waren wir alle sehr euphorisch und voller Tatendrang, aber nach Tagen harter Arbeit überkam uns eine ungeahnte Frustration. Wir haben durch den engen Kontakt mit den dort ansässigen Menschen das Gefühl bekommen, dass wir nichts tun können, dass wir sprichwörtlich nur „ein Tropfen auf den heißen Stein“ sind. Es war schlimm, Menschen die uns ansprachen und um Hilfe baten, abzuweisen, denn sie hatten Hoffnungen und hohe Erwartungen an uns. Einmal sprach uns ein Vater an, ob wir nicht sein Kind mit nach Deutschland nehmen könnten, damit es diesem nicht so erginge wie ihm selbst. Das war aber nicht das Erschreckendste. Das Erschreckendste war, dass dieser Mann nicht einmal zu der ärmsten Schicht gehörte.

Aber das Gefühl der Euphorie kam durch die Vollendung eines Projektes, einer Grundschulrenovierung, wieder. Wir hatten es geschafft, nicht nur die Außenfassade strahlen zu lassen, sondern auch die Gesichter der Schüler und Lehrer. Ein Wendepunkt unserer Reise. Die Unterschiede der Kulturen waren zwar weiterhin groß, aber nicht nur die Schüler der tansanischen Schule, die uns vorher angeguckt hatten wie Außerirdische, sondern auch die Lehrkräfte, die anfangs sehr skeptisch waren, akzeptierten uns, nachdem sie sahen, dass wir tatsächlich etwas geschafft hatten.

Wir sahen nun, dass wir selbst durch „kleine“ Dinge, die vielleicht nicht ganz Tansania veränderten, aber durch unsere Initiative Freude verbreiten. Nicht nur wir haben etwas vor Ort geändert, sondern Tansania auch uns und unsere Sicht auf die Welt.  Wir haben nun einen anderen Blick auf das, was wir haben und zuvor für selbstverständlich erachteten. Leider können wir hier nur einen Eindruck von dem vermitteln, was wir erlebt haben. Nur wenn man selbst dort gewesen ist, und zwar nicht als Tourist auf Sansibar, kann man diese Eindrücke und Gefühle voll und ganz nachvollziehen.