Für viele Lehrkräfte ist Zusammenarbeit im Kollegium nicht selbstverständlich. Das ergab eine Forsa-Studie zur Kooperation unter Lehrkräften. Die Deutsche Schulakademie fordert deshalb einen Wandel des Berufsbildes.

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Laut einer Forsa-Umfrage im Auftrag der Deutschen Schulakademie plant fast jede zweite Lehrkraft ihren Unterricht lieber alleine als im Team. Nur rund 40 Prozent der befragten Lehrerinnen und Lehrer arbeiten mindestens einmal im Monat in Fachgruppen zusammen, um Unterricht gemeinsam zu gestalten. Auch bei den Rahmenbedingungen besteht Verbesserungsbedarf: Zwar wird die große Mehrheit von der eigenen Schulleitung bei der Kooperation unterstützt. Doch nur bei einem Drittel der Befragten gibt es an der Schule Räume, die für Teamarbeit geeignet sind. Und nur bei einem Viertel der Lehrkräfte sind die Stundenpläne so gestaltet, dass eine fachbezogene Kooperation mit Kolleginnen und Kollegen während der Schulzeit möglich ist. Schließlich wird Teamarbeit auch durch niedrige Präsenzzeiten erschwert: 85 Prozent der Lehrerinnen und Lehrer erledigen Routinearbeiten wie Korrekturen von Klassenarbeiten zu Hause. 

„Diese Befunde sind problematisch, denn Kooperation ist ein starker Erfolgsfaktor für gute Schule und ein wichtiges Professionsmerkmal für Lehrkräfte“, sagt Prof. Dr. Hans Anand Pant, Geschäftsführer der Deutschen Schulakademie. „Wir brauchen deshalb einen Wandel im Berufsverständnis von Lehrkräften: weg von der Einzelkämpferin oder dem Einzelkämpfer, hin zum Teamplayer.“ Dies bedeutet auch, dass Lehrkräfte mehr Arbeitszeit als bisher an der Schule verbringen sollten, um Kooperation im Team möglich zu machen. „Die Grundausrichtung auf dieses zeitgemäße Berufsbild muss schon in der Ausbildung von Lehrkräften curricular verankert werden,“ so Prof. Pant weiter. Angesichts der wachsenden Heterogenität in den Klassen ist die Einrichtung von eng kooperierenden, multiprofessionellen Teams an Schulen ein zentraler Prüfstein dafür, ob die Umsetzung von Inklusion bildungspolitisch gewollt ist, so Prof. Pant. 

Die Deutsche Schulakademie hat weitere Empfehlungen für die Gestaltung von erfolgreicher Kooperation an Schulen veröffentlicht. Sie basieren auf Praxisbeispielen von Preisträgerschulen des Deutschen Schulpreises. So schlägt die Deutsche Schulakademie unter anderem vor, Kooperationszeiten als feste Bestandteile der Arbeitszeit in den Schulalltag zu integrieren und geeignete Arbeitsplätze in der Schule zur Verfügung zu stellen. 

Weitere Ergebnisse der Forsa-Umfrage: 

  • Erfreulich ist zunächst, dass 86 Prozent der Lehrerinnen und Lehrer gerne oder sehr gerne zur Arbeit gehen. Auch das Arbeitsklima im Kollegium bewertet die große Mehrheit als gut oder sehr gut.  
  • Es bestehen große Unterschiede im Kooperationsverhalten: Teamarbeit ist vor allem gefragt bei Frauen, jüngeren Lehrkräften und an Grundschulen. Männer und Lehrkräfte an Gymnasien sind dagegen deutlich weniger offen für Kooperationen. 
  • Lehrkräfte kooperieren fast ausschließlich über das persönliche Gespräch. Dabei hält eine Mehrheit auch E-Mail-Austausch für geeignet. Online-Plattformen dagegen werden nur von einer Minderheit als geeignete Kommunikationsform angesehen. 
  • Drei Viertel der Lehrkräfte, die regelmäßig in Teams fachbezogen zusammenarbeiten, bewerten dies als sehr hilfreich oder hilfreich. Sie sehen die Vorteile unter anderem in der Arbeitsteilung, dem Erfahrungsaustausch und der Steigerung der Unterrichtsqualität.
  • Lehrkräfte, die skeptisch eingestellt sind, betrachten die fachbezogene Kooperation als Einschränkung ihrer professionellen Autonomie und bemängeln einen zu hohen Zeitaufwand. 

Die Umfrage wurde vom Meinungsforschungsinstitut Forsa im Berlin im Auftrag der Deutschen Schulakademie im Zeitraum Juli bis August 2018 durchgeführt. Befragt wurden 1.016 Lehrerinnen und Lehrer aus allgemeinbildenden Schulen aus ganz Deutschland. Die vollständigen Ergebnisse der Studie stehen hier zum Download zur Verfügung. Einen weiterführenden Artikel zum Thema lesen Sie auf dem Deutschen Schulportal.  

Kooperation in und um Schule steht auch im Mittelpunkt des 2. Kongresses der Deutsche Schulakademie, der am 13. und 14 September Berlin unter dem Motto „Nicht mehr allein! Gute Schulen kooperieren!“ stattfindet.