Demokratie in der Schule lebt von Vorbildern. Und sie ist eine Frage der Haltung aller, die an Schule beteiligt sind. Das waren Fazits unseres Forums „Schule. Macht. Demokratie. Gute Schulen tun was“.

Bildnachweis: David Weyand

Wie können Schulen demokratisch(er) werden und Kindern und Jugendlichen demokratische Erfahrung ermöglichen? Welche guten Konzepte und Ansätze der Demokratiebildung gibt es in der Praxis, an denen sich Schulen orientieren können? Diese Fragen diskutierten unsere rund 200 Gäste des Forums „Schule. Macht. Demokratie. Gute Schulen tun was“ am 25. und 26. November in der Zitadelle Spandau in Berlin.  

Das Forum war auch der Höhepunkt der Online-Kampagne #Schule.Macht.Demokratie, die wir vier Wochen zuvor mit dem Moderator Shai Hoffmann gestartet hatten. Auf unserem Facebook-Kanal verbreiteten wir viele beeindruckende Videos von Schülerinnen und Schülern aus Preisträgerschulen des Deutschen Schulpreises, in denen sie zeigten, wie in ihrer Schule Demokratie gelebt wird. So entstand auf Facebook schon vor der Veranstaltung eine lebhafte und in Teilen kontroverse Debatte über Demokratiebildung in der Schule. Shai Hoffmann interviewte auf dem Forum Gäste, Referentinnen und Referenten und holte viele spannende Stimmen ein. Auch Selin Bulut und Paul Brodtmann aus der Grundschule Bad Münder führten Interviews für ihren Schüler-Podcast „Achtung, Aufnahme läuft!“

Shai Hoffmann im Gespräch mit Quang Anh Paasch. Die Kamera führte David Willert.

Shai Hoffmann im Gespräch mit Quang Anh Paasch. Die Kamera führte David Willert. Bildnachweis: David Weyand

Demokratie ist vor allem eine Frage der Haltung. Diese These zog sich als roter Faden durch die Diskussionen, Vorträge und Praxiseinblicke des Forums. Gleich zu Beginn appellierte Michael Brenner, Geschäftsführer der Heidehof Stiftung, an die teilnehmenden Lehrkräfte, demokratische Vorbilder zu sein, denn von diesen lernten Kinder. Udo Michallik, Generalsekretär der Kultusministerkonferenz (KMK), sagte: „Demokratiebildung ist eine Aufgabe, die alle Lehrkräfte angehen müssen. Sie müssen sich als Kollegium und Schule verantwortlich fühlen und dies auch gegenüber den Schülerinnen und Schülern leben.“ Das bekräftigten die Gäste der Eröffnungsdiskussion, Prof. Dr. Silvia-Iris Beutel, Dr. Birte Güting, Schulleiterin der Schiller-Schule Bochum, Andrea Moser, Rektorin der Grundschule Süd in Landau und Quang Anh Paasch, Pressesprecher der Berliner Ortsgruppe „Fridays for Future“. 

„Demokratiepädagogik ist ein wichtiges Thema für die KMK und ich schätze es sehr, dass zivilgesellschaftliche Akteure wie die Deutsche Schulakademie mithelfen, diese Aufgabe wahrzunehmen“, sagte Udo Michallik. Dass Demokratiebildung auch wichtiger Bestandteil des Programms der Deutschen Schulakademie ist, betonte unser Geschäftsführer Prof. Dr. Hans Anand Pant. Er kündigte an, das Forum im kommenden Jahr als Regionales Lernforum in verschiedenen Bundesländern zu wiederholen, um auch Interessenten, die nicht in Berlin dabei sein konnten, Möglichkeiten zur Teilnahme zu geben. Er wies außerdem auf die Werkstatt „Demokratie lernen, Partizipation gemeinsam gestalten“ hin, die wir gemeinsam mit dem Förderverein Demokratisch Handeln durchführen.

Joel Westheimer

Joel Westheimer, Bildnachweis: David Weyand

Der Keynote-Sprecher unseres Forums, Prof. Dr. Joel Westheimer, forscht an der Universität Ottawa zur Rolle der Schulen in demokratischen Gesellschaften. Er zitierte seine Mentorin, die Pädagogin Maxine Green: „The purpose of education is to comfort the troubled and trouble the comfortable.“ Die Aufgabe von Erziehung ist es zum einen, Kindern einen sicheren Hafen zu geben, in dem sie sich frei und ohne Angst entfalten können. In demokratischen Gesellschaften muss Erziehung darüber hinaus Kindern bewusst machen, dass es Probleme in ihrem Umfeld und in der Welt gibt und dass es auch ihre Verantwortung ist, dabei zu helfen, die Dinge für sich und andere zu verbessern.

Praxiseinblick aus Bad Münder: Film, Radio und Kinderrechte - die demokratische Grundschule

Praxiseinblick aus Bad Münder: Film, Radio und Kinderrechte - die demokratische Grundschule, Bildnachweis: David Weyand

Unserem Motto „Aus der Praxis für die Praxis“ folgend hatten die Schulen aus dem Preisträgernetzwerk des Deutschen Schulpreises auch diesmal eine zentrale Rolle: Sie stellten in Praxiseinblicken gelungene Konzepte und Ansätze der Demokratiebildung aus ihren Schulen vor und gaben den Teilnehmerinnen und Teilnehmern damit wertvolle Impulse für die tägliche Arbeit.

v.l.n.r.: Prof. Dr. Hans Anand Pant, Prof. Dr. Silvia-Iris Beutel, Selin Bulut, Paul Brodtmann und Eva-Maria Espermüller-Jug

v.l.n.r.: Prof. Dr. Hans Anand Pant, Prof. Dr. Silvia-Iris Beutel, Selin Bulut, Paul Brodtmann und Eva-Maria Espermüller-Jug, Bildnachweis: David Weyand

„Ganz wichtig für eine gute Schule ist es, dass dort Selbstwirksamkeitserfahrungen erlebbar gemacht werden, für Schülerinnen und Schüler ebenso wie für Lehrkräfte“, sagte Eva-Maria Espermüller-Jug, ehemalige Schulleiterin der Preisträgerschule Anne-Frank-Realschule in München. Sie moderierte gemeinsam mit Prof. Dr. Silvia-Iris Beutel die Veranstaltung. Beide waren bis vor kurzen im Programmteam der Akademie für das Thema „Demokratie lernen und leben“ verantwortlich. Prof. Dr. Silvia-Iris Beutel forscht in ihrer Arbeit an der TU Dortmund intensiv zum Thema Lernen ohne Noten. „Eine gute Feedbackkultur und gerechte Leistungsbewertung sind Merkmale demokratischer Schulen“, sagte sie.

Demokratiebildung in der Schule ist eine Daueraufgabe, betonte Dr. Wolfgang Beutel, Projektleiter des Forums und Geschäftsführer des Fördervereins Demokratisch Handeln: „Schule ist immer Zukunft. Sie muss die Schülerinnen und Schüler mit zeitadäquaten Instrumenten zur Demokratiebereitschaft befähigen.“ Gemeinsam mit Prof. Dr. Markus Gloe von der Ludwig-Maximilians-Universität München stellte er Thesen zu Demokratiekompetenzen aus der Perspektive des Unterrichts und der Schule vor.
 „Wir müssen Demokratie auch als eine Kommunikationsform begreifen“, erläuterte Dr. Wolfgang Beutel im Interview mit Shai Hoffmann. „Es geht um Verstehen und Verständigung und beides muss man anhaltend in den Schulen kultivieren. Das ist eine echte pädagogische Herausforderung, aber da fängt Demokratie an!“

Die Theatergruppe der Gesamtschule Schinkel startete mit dem Stück „Danke dafür, AfD!“ den zweiten Tag des Forums. Die Schülerinnen und Schüler aus Osnabrück verarbeiteten rassistische Tweets zum Theaterstück und wurden in Folge davon öffentlich angefeindet. Diese Erfahrungen habe die Solidarität unter der Schülerschaft und den Lehrkräften gestärkt, berichteten sie. „Es ist wichtig, dass wir aufstehen, wenn Sachen gesagt werden, die gegen die Menschenwürde gehen“, meinten die Schülerinnen und Schüler.

Schülerinnen und Schüler der Theatergruppe der Gesamtschule Schinkel Osnabrück

Schülerinnen und Schüler der Theatergruppe der Gesamtschule Schinkel Osnabrück, Bildnachweis: David Weyand

„Ein Ziel dieser Veranstaltung lautet: wir wollen Haltung zeigen für Demokratie,“ sagte Prof. Dr. Hans Anand Pant. Prof. Silva-Iris Beutel und Eva-Maria Espermüller-Jug hatten in Zusammenarbeit mit Dr. Wolfgang Beutel Entwürfe für eine bildungspolitische Positionierungen zum Thema „Demokratie lernen und leben“ erarbeitet und am Nachmittag des zweiten Tages mit den Teilnehmenden diskutiert. Ein erstes Stimmungsbild ergab die offene Gesprächsrunde zum Abschluss, die Dr. Wilfried Kretschmer aus unserem Programmteam moderierte. „Es war ein wunderbares, wichtiges Forum mit sehr engagierten Teilnehmenden. Wir danken allen, die uns unterstützt und sich beteiligt haben“, sagten Eva-Maria Espermüller-Jug und Prof. Dr. Silvia-Iris Beutel zum Abschied.

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v.l.n.r.: Ines Ventura Almeida, Prof. Dr. Markus Gloe und Dr. Wilfried Kretschmer diskutieren in der Abschlussrunde, Bildnachweis: David Weyand


Das Forum „„Schule. Macht. Demokratie. Gute Schulen tun was“ wurde geplant und organisiert von Dr. Wolfgang Beutel (Projektleitung), Prof. Dr. Silva-Iris Beutel, Eva-Maria Espermüller-Jug, Dr. Wilfried Kretschmer, Michael Rudolph und Andrea Blaneck.  Die Veranstaltungsorganisation lag in den Händen von Benjamin Knispel und Stefanie Wilhelm von der Agentur Culturediction.

Wir danken allen Referentinnen und Referenten, Moderatorinnen und Moderatoren, Teilnehmerinnen und Teilnehmern und allen Helferinnen und Helfern für die gelungene Veranstaltung.

Das nächste Forum der Deutschen Schulakademie findet am 17. und 18. September 2020 zum Thema „Lernen in der digitalen Welt““ statt.

Weitere Impressionen des Forums