Viel Aufmerksamkeit für ein wichtiges Thema: Das Forum „Beziehungen gestalten – erfolgreich lernen!“ in Berlin legte den Fokus auf erfolgreiche pädagogische Beziehungen. Es endete mit einem Appell für die Neuausrichtung der Lehrkräftebildung.

Bildnachweis: Oliver Wolff

Beziehungen haben einen entscheidenden Einfluss auf den Lernerfolg: Je besser das Verhältnis zwischen Schülerinnen und Schülern und ihrer Lehrkraft, desto engagierter sind die Kinder und umso größer ist ihr Lernerfolg. Und umgekehrt fördert ein gutes Klima in der Klasse die Gesundheit der Lehrkräfte. Wie pädagogische Beziehungen professionell gestaltet werden und welche Praxis-Beispiele dabei Vorbilder sein können, war Thema des Forums „Beziehungen gestalten - erfolgreich lernen! Pädagogische Beziehungen in der Schule professionell entwickeln“ der Deutschen Schulakademie vom 11. und 12. Februar in Berlin. Dass die Deutsche Schulakademie mit diesem Fokus einen Nerv getroffen hatte, zeigte die starke Resonanz bei den Anmeldungen: die 180 Plätze des Forums waren innerhalb kurzer Zeit ausgebucht.

„Die Gestaltung professioneller pädagogischer Beziehungen ist für die schulische Praxis elementar wichtig. Umso erstaunlicher ist es, dass das Thema in der Aus- und Fortbildung von Lehrkräften bislang so gut wie keine Rolle spielt“, sagte der Geschäftsführer der Deutschen Schulakademie, Prof. Dr. Hans Anand Pant. Ein Ziel der Veranstaltung war deshalb, mehr Aufmerksamkeit für dieses wichtige Thema in der Öffentlichkeit zu schaffen. 

Im inhaltlichen Mittelpunkt des Forums standen die Workshops der Preisträgerschulen des Deutschen Schulpreises. Sie gaben spannende Einblicke in erfolgreiche Praxis-Konzepte und zeigten, wie Beziehungen im schulischen Alltag gelingen können: Von „Beziehungsaufbau in der Schule organisieren und gestalten“ über „Konfliktmoderation“ und „Beziehungsarbeit als Teil der Schulleitungsverantwortung“ bis zu „Beziehungen in der Ausbildung“ boten sie ein breites Spektrum. Diese intensiven Praxisphasen wurden von Expertinnen und Experten aus Preisträgerschulen und aus Wissenschaft im Tandem geleitet. 

Damit Schulen Beziehungen erfolgreich gestalten können, brauchen sie nicht nur gute Konzepte. Sie brauchen auch die passenden Voraussetzungen und Rahmenbedingungen. Auf Basis der Preisträger-Konzepte hat die Deutsche Schulakademie deshalb „Handlungsempfehlungen für die Gestaltung professioneller Beziehungen“ erarbeitet. „Diese Empfehlungen sollen als Anregungen dienen. Wir wollen uns damit an Lehrkräfte und Schulen, aber auch an politische Entscheiderinnen und Entscheider richten“, sagte Wolfgang Vogelsaenger, der im Programmteam der Deutschen Schulakademie für das Thema „Beziehungen professionell gestalten“ verantwortlich ist. Einen ersten Entwurf der Handlungsempfehlungen stellte die Schulakademie den Gästen des Forums zur Diskussion: die Teilnehmenden wurden gebeten, ihr Feedback abzugeben. 

Die Handlungsempfehlungen der Deutschen Schulakademie werden nach abschließenden Diskussionen in Kürze veröffentlicht. Ihr Inhalt orientiert sich unter anderem an den „Reckahner Reflexionen zur Ethik pädagogischer Beziehungen“, die mit Unterstützung der Robert Bosch Stiftung entstanden sind und von Prof. Dr. Annedore Prengel initiiert wurden. Sie war Gast der Podiumsdiskussion und betonte dort die Relevanz des Themas: „Seelische Gewalt ist die häufigste Form der Gewalt gegen Kinder. Und sie ist die am häufigsten ignorierte Form.“ Prof. Pant appellierte deshalb für eine Neuausrichtung der Lehrerinnen- und Lehrerausbildung: „Die Lehrerinnen- und Lehrerausbildung muss dafür sorgen, dass sich angehenden Lehrkräfte schon früh mit den eigenen Beziehungsmustern und den persönlichen Ressourcen auseinandersetzen. Alle Lehrkräfte sollten das Handwerkszeug dafür bekommen, Beziehungen gestalten und professionalisieren zu können.“ Da auch in ihrer Ausbildung das Thema Beziehungen zu kurz kommt, wurden Anne Wilke und Claudius Baumann selbst aktiv: die beiden Studierenden bieten an der Technischen Universität Berlin eine Projektwerkstatt zum Thema „Pädagogische Beziehungen in der Schule“ an. Sie engagieren sich außerdem in der Initiative Kreidestaub, die von der Deutschen Schulakademie unterstützt wird. 

Die Workshops und Diskussionen des Forums wurden eingerahmt von wissenschaftlichen Inputs. „Pädagogik ist eine Beziehungswissenschaft“, sagte Dr. Helga Breuninger, Geschäftsführerin und Stifterin der Helga Breuninger Stiftung zur Förderung von Bildung und Erziehung, die den Eröffnungsvortrag hielt. „Meine Erfahrung als Lerntherapeutin ist: Der schnellste Weg zum Lernen geht über die Beziehung“. Auch die Bildungsforschung bestätigt den Zusammenhang zwischen Beziehung und Lernerfolg, wie Prof. Dr. Olaf Köller, Geschäftsführender Wissenschaftlicher Direktor am Leibniz-Institut für die Pädagogik der Naturwissenschaften und Mathematik, erläuterte. Eine interessante internationale Perspektive brachte Sirkku Kupiainen von der Universität Helsinki ein: Wer in Finnland ein Lehramtsstudium antreten will, muss einen schriftlichen und mündlichen Eignungstest absolvieren. 

Einen weiteren Bericht zum Forum „Beziehungen gestalten – erfolgreich lernen“ sowie Interviews mit Wolfgang Vogelsaenger und Sirkku Kupianen lesen Sie auf dem Deutschen Schulportal

Sehen Sie hier Impressionen zum Forum 2019.

Das Forum „Beziehungen gestalten - erfolgreich lernen! Pädagogische Beziehungen in der Schule professionell entwickeln“ wurde geplant und vorbereitet von: 

Barbara Riekmann, ehem. Mitglied des Programmteams der Deutschen Schulakademie,
Christina Reimann, ehem. Stellv. Leiterin der Montessori-Oberschule Potsdam,
Werner Klein, Mitglied des Programmteams der Deutschen Schulakademie,
Britta Carstens-Hedemann, Reformschule Winterhude,
Maresi Lassek, Vorsitzende des Grundschulverbandes,
Inga Zensen, Wartburg-Grundschule Münster und
Dr. Simon Moses Schleimer, Projektmanager im Bereich Programmentwicklung der Deutschen Schulakademie.
Die Organisation hatte die Agentur Culture Diction.