Die pädagogische Werkstatt der deutschen Schulakademie behandelt in Hamburg das Thema „Lernbegleitung und Leistungsbeurteilung: Fördern, Begleiten, dialogisch Reflektieren". Fazit des zweiten Bausteins: mehr geht ohne Noten.

Pädagogische Werkstatt in Hamburg
Bildnachweis: Die Deutsche Schulakademie

Rund 30 Lehrkräfte haben sich im Raum verteilt. „Lennart, wie schätzt du Deine Lernfortschritte in Mathe ein?“, fragt ein Lehrer einen Kollegen. In Rollenspielen spielen sie Lernentwicklungsgespräche durch, nehmen dabei die Position der Lehrerin oder des Lehrers, eines Schülers oder einer Schülerin ein oder schlüpfen in die Rolle eines Elternteils. Am Ende des Rollenspiels ist die einhellige Meinung: „Diese Lernentwicklungsgespräche kann man nicht jedem Kind oder Jugendlichen zumuten.“ Denn, so die Erkenntnis, die Schülerinnen und Schüler würden sich in vielen Fällen zwischen Eltern und Lehrkräften eingezwängt fühlen. „An den Gesprächsformen müssen wir etwas ändern!“, sagt eine Lehrerin. „Wir müssen uns stärker als bisher fragen: Für wen machen wir das?“ Dabei hatten viele der Lehrkräfte zunächst gezweifelt, ob diese Rollenspiele überhaupt sinnvoll und nötig seien – schließlich sei die Form an allen Hamburger Schulen doch längst etabliert. „Wir hatten einen echten Aha-Effekt“, sagt die Lehrerin. Die Kolleginnen und Kollegen nicken.

So geht es häufig bei den Treffen der Pädagogischen Werkstatt „Lernbegleitung und Leistungsbeurteilung: Fördern, Begleiten, dialogisch Reflektieren “ in Hamburg zu: Haltungen werden in Frage gestellt, Verhaltensweisen überdacht. Die Fortbildung der Deutschen Schulakademie wird in Kooperation mit dem Hamburger Landesinstitut für Lehrerbildung und Schulentwicklung (LI) durchgeführt. Elf Hamburger Schulen nehmen teil: Von der Grundschule über die Stadtteilschule bis zum Gymnasium sind alle Schulformen vertreten. Die Atmosphäre ist geprägt von Vertrauen, Inhalt und Ablauf orientieren sich an den Bedürfnissen der teilnehmenden Schulen (link auf Programm-Ablauf).  Titel des zweiten Bausteins war: „Individualisierte Beurteilungspraxis“.

„Die Vertreterinnen und Vertreter der teilnehmenden Schulen erhoffen sich Knowhow, wie sie den Schülerinnen und Schülern Feedback geben können und wie sie deren Leistungen jenseits von Ziffernoten bewerten können“, sagt Sandra Wille, Projektberaterin der Deutschen Schulakademie. „Mich beeindruckt die hohe Motivation der Teilnehmenden. Alle waren detailliert vorbereitet und – trotz der Schulwoche, die hinter ihnen lag – von Freitagnachmittag, dem Beginn der Werkstatt, bis Samstagabend absolut konzentriert und engagiert bei der Sache.“ Die Lehrinnen und Lehrermüssen selbst mitarbeiten, können sich nicht nur bei Fachvorträgen „berieseln“ lassen. Ziel ist es, nach jedem Baustein an der eigenen Schule konkrete Vorhaben umzusetzen, eine Reflektion über das eigene Handeln zu provozieren und Veränderungen einzuleiten. Das ist unbequem, wie die Reaktionen auf das Rollenspiel zeigen. Doch die Teilnehmenden schätzen die kollegiale Fallberatung untereinander – „weil man auf die einfachsten Dinge manchmal allein nicht kommt“, sagt eine Lehrerin.

Regine Bondick, bis 2014 Lehrerin und Mitglied im Schulleitungsteam der Max-Brauer-Schule, leitet gemeinsam mit Birgit Xylander, Schulleiterin der Stadtteilschule Winterhude – Winterhuder Reformschule, die Pädagogische Werkstatt. „Wir möchten etwas von dem weitergeben, was wir seit 2006 durch den Deutschen Schulpreis  bei den Kollegtreffen, Exzellenzforen und Meisterkursen der Robert Bosch Stiftung selbst erleben durfte: Die hohe Wertschätzung für Lehrerinnen und Lehrer, die ihre Schulen mit ihren Schülerinnen und Schülern in dem Sinne verändern wollen, nach eigenem Interesse, Tempo, Ziel und Plan erfolgreich - ohne „pädagogische“ Beschämung - lernen zu können“, erklären sie ihre Motivation für die Arbeit mit den Schulen.

Das gelingt offenbar bei der Pädagogischen Werkstatt „Lernbegleitung und Leistungsbeurteilung“. „Ich finde es gut, über das System Schule als Ganzes nachzudenken. Auch wenn sich im Alltag vielleicht nicht alles umsetzen lässt, ist es wichtig, dass die Gedanken in Bewegung sind“, sagt eine Teilnehmerin. 

Weitere Information zu dem Fortbildungsangebot Werkstatt der deutschen Schulakademie finden Sie hier.

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